Spannungsversorgungen für die kleinen Russenröhren
Die Variante mit den DC/DC-Wandlern
Die Verwendung von handelsüblichen DC/DC-Wandlern stellt einen bequemen Weg dar, mit gutem Wirkungsgrad aus einer
gegebenen Eingangs-Gleichspannung eine andere Ausgangs-Gleichspannung zu erzeugen. Sind Eingangs- und Ausgangsseite
galvanisch getrennt, dann lassen sich die Ausgangsspannungen mehrerer DC/DC-Wandler in Reihe schalten.
Mit einiger Mühe lassen sich DC/DC-Wandler finden, die gleich zwei mal 24 V isoliert von der Eingangsspannung als Ausgangsspannung bereitstellen.
Zwei solcher DC/DC-Wandler ermöglichen dann 96 V Anodenspannung. Diese Spannung erschien mir für meine Experimente
mit den russischen Batterieröhren als eine brauchbare Größe.
Für die Verwendung in einem portablen QRP-Transceiver sollte die Eingangsspannung der DC/DC-Wandler aus einem
6 V-Akkumulator erfolgen, für den kurzzeitigen Einsatz auch aus 4 Monozellen. Es wurden DC/DC-Wandler gewählt, die
mit 5 V +/- 10% Eingangsspannung auskommen. Der Ausgangsstrom sollte etwa 20 mA betragen, deshalb wurden 2 Stück
1 W-Wandler benutzt, denn 100 V * 0,02 A ist etwa 2 W.
Achtung! Diese DC/DC-Wandler haben keinen Verpolschutz am Eingang und sterben sofort bei falscher Polung!
Eine zusätzliche 1 A-Schottkydiode als Verpolschutz am Eingang schützt die DC/DC-Wandler vor Falschpolung und senkt die
Ausgangsspannung nur wenig.
Die erzielten Ergebnisse sind sehr gut. Mit geringem Aufwand und ohne die Notwendigkeit, einen speziellen Transformator
selbst anfertigen zu müssen, wird eine relativ stabile Anodenspannung erzeugt. Die Abhängigkeit der Anodenspannung von
der zur Verfügung stehenden Eingangsspannung ist jedoch beträchtlich.Bei 6 V Eingangsspannung werden die DC/DC-Wandler 0,5 V oberhalb des zulässigen Eingangsspannungsbereiches betrieben. Einen 24 h-Langzeittest mit Nennlast haben sie dennoch gut überstanden. Bei 6 V Eingangsspannung und 116 V Ausgangsspannung bei 20 mA Laststrom fließen am Eingang der Schaltung 490 mA.
Der Wirkungsgrad unter Last ist mit 116 V * 0,02 A / 6 V * 0,49 A = 79 % ganz hervorragend.
Die DC/DC-Wandler arbeiten in einem Frequenzbereich um 130 kHz. In einem geeigneten Empfänger läßt sich dort sehr schön die erzeugte Rauschglocke nachweisen. Um die DC/DC-Wandler für die Verwendung in einem Kurzwellen-Empfänger brauchbar zu machen, ist die Verwendung von Elektrolytkondensatoren mit geringem ESR notwendig. Uralte Elkos aus der Bastelkiste haben diese Eigenschaften gewöhnlich nicht.
Versuchen Sie nicht, eine der Drosseln L1 oder L2 einzusparen und die DC/DC-Wandler an ihren Eingängen direkt parallel zu schalten. Durch die etwas voneinander abweichenden Arbeitsfrequenzen der frei schwingenden DC/DC-Wandler entstehen die schönsten Mischprodukte, die die Verwendung der Anodenspannungsversorgung in einem empfindlichen Kurzwellenempfänger illusorisch machen.
Die klassische Netzteil-Variante
Diese Version versucht, aus einem handelsüblichen Print-Transformator die Anodenspannung für die russischen Batterieröhren zu erzeugen. Mir stand ein solcher 3 W-Transformator mit 2x 21 V Ausgangsspannung bei 70 mA Ausgangsstrom zur Verfügung. Damit sollten Anodenspannungen von mindestens 40 V machbar sein. Zu wenig, wenn man damit einen kräftigen Sender bauen will, aber für einen Empfänger mag es ausreichen.
Die unstabilisierte Ausgangsspannung schwankt zwischen 60 V und 70 V, wenn sich der Laststrom von 20 mA auf 0 mA ändert. Das ist doch recht erheblich und deshalb wurde eine Spannungsstabilisierung für 50 V nachgeschaltet. Aus dieser sollten die Oszillatoren eines Empfängers gespeist werden. Der BC546 tut sein Werk so lange gut, bis ein Kurzschluß der stabilisierten 50 V Ausgangsspannung auftritt. Das nimmt er dann übel und verabschiedet sich in den Transistorhimmel. Für die Erzeugung einer negativen Gittervorspannung für eine Röhre 1P24B ist auch noch eine entsprechende Schaltung vorhanden. Diese nutzt die gleiche Wicklung, die auch die Anodenspannung liefert.
Zusätzlich wurde in diesem Netzteil auch eine Schaltung zur Erzeugung der von den Russenröhren benötigten 1,2 V
Gleichspannung für die Heizung aufgebaut. Diese Schaltung ist an Einfachheit nicht mehr zu überbieten und erfüllt ihren
Zweck. Ausgenutzt wird hier die Tatsache, daß die interne Referenz eines Spannungsreglers LM317 mit 1,25 V recht
genau eingehalten wird. Wenn man nun auf den gewohnten Spannungsteiler für das Einstellen der Ausgangsspannung am Ausgang
des LM317 verzichtet und den ADJ-Eingang direkt auf Masse legt, liegen diese 1,25 V mit bis zu 1 A Belastbarkeit am Ausgang des
Spannungsreglers an, genau passend für Schaltungen mit den kleinen Russenröhren. Ein kleiner Kühlkörper für den LM317
verhindert dessen übermäßige Erwärmung bei der Entnahme größerer Heizströme.Um die Anodenspannung auf einen höheren Wert zu bringen wurde mit einer Spannungsverdopplerschaltung nach Villard experimentiert. Eine höhere Anodenspannung wurde zwar erreicht, jedoch ist diese Spannung sehr stark vom Ausgangsstrom abhängig.
Für den Kondensator C8 eignen sich nur ungepolte Typen. Gepolte Aluminium- Elektrolytkondensatoren an dieser Stelle
verlieren nach kurzer Zeit ihre Formierung und damit ihre Kapazität. Dieser Vorgang ist verbunden mit einer stetigen
Erwärmung des Kondensators und kann bis zur Explosion führen. Versuchen Sie es also lieber nicht, auch nicht kurzzeitig
zum schnellen Ausprobieren.Da die Sekundärwicklung des Transformators Tr1 in dieser Version einpolig an Masse liegt kann die Schaltung zur Erzeugung der negativen Gittervorspannung vereinfacht werden und besteht nur noch aus einem gewöhnlichen Einweg-Gleichrichter.
Der Transistor T1 muß eine Ausführung mit hoher zulässiger Kollektor-Emitter-Spannung sein. Ich hatte zufällig einen MPSA42 mit 300 V zur Verfügung.
Bitte beachten Sie bei eventuellem Nachbau dieser Schaltungen die gesetzlichen Bestimmungen für den Umgang mit der 230 V-Netzspannung.

